Wenn ich groß bin, werde ich auch Lawinenhund!


(„Gedanken“ von Ben Auer-Schernthaner, Lawinenhund von Hundeführer Armin Auer und gerade ein "Einsatzhund" der Steirischen Lawinenhundestaffel geworden)

Kinder, wie die Zeit vergeht und gern erinnere ich mich an den Beginn meiner "Karriere" bei der Steirischen Lawinenhundestaffel zurück. Mein Name ist Ben und es ist gar nicht  allzu lange her, dass ich erst ein paar Monate alt war, aber trotzdem schon mit den „Großen“ spielen durfte!

Während mein einsatzfähiger Kollege systematisch ein Schneefeld absucht, beschäftigt sich ein netter „Zweibeiner“ mit mir! Toll, ich kann mich hier spielerisch austoben und werde trotzdem von diesem „Zweibeiner“ gelobt und belohnt!
Doch da ich schnell ein wenig müde werde, habe ich zugesehen, was meine großen Kollegen so treiben. Mit der Nase im Schnee quert er immer noch das Schneefeld. Und dann hat er plötzlich angefangen zu bellen und zu graben?! Ist da vielleicht ein Knochen drin? Und warum wird er für das Graben gelobt? Das ganze dürfte ihm ziemlich Spaß machen, man sieht zwar nur noch seinen Schwanz, aber der wedelt freudig durch die Lüfte! Oh, der Knochen kann ja sprechen und gehen?! Da war doch tatsächlich ein „Zweibeiner“ im Schnee vergraben? Und wie stolz sein Herrchen nun auf meinen Freund gewesen ist – und wieder wird gespielt und gelobt. Eigenartige Kerle, diese „Zweibeiner“. Aber irgendwie machte das Spaß. Na wartet nur, wenn ich erst mal alt genug bin, dann mache ich das auch! Bekomm ich dann auch so ein schönes Abzeichen und eine Einsatzdecke? Oh, ich darf ja doch schon ran – und damit es nicht zu schwer wird – ist das Loch, in dem mein Herrchen jetzt verschwunden ist, noch offen. Ja, nichts wie hin, Herrchen, ich komme! Ich hab Dich! Wuff-Wuff-Wuff! Und wieder Lob und Freude – das macht Spaß!

Ja, das war vor knapp zwei Jahren!

Heute ist der große Tag und ich muss zeigen, was ich alles gelernt habe. Es schneit und stürmt, aber das macht mir nichts aus. Hauptsache mit meinem "Chef", dem Armin, unterwegs sein zu dürfen. Doch heute ist alles etwas anders. Wir gehen auf ein großes, hügeliges Gelände mit riesengroßen Schneehaufen und da stehen etliche Leute herum, doch von denen lasse ich mich nicht irritieren. Armin streichelt mich noch und dann kommt das nun bestens bekannte: "Suuuuuuch!" Inzwischen weiß ich genau, was nun von mir erwartet wird. Die Nase in den Wind und... ich riech schon was! Da, in dem großen Haufen, etwa 7-8 m weg, da kommt der Geruch her, also nix wie hin.... und rein in den Schnee! Das erste Kleidungsstück im tiefen Schnee ist gefunden und wird aus dem Schnee gezogen. Armin ist begeistert und lobt und streichelt mich und weiter geht die Suche. Nach einigen Metern finde ich noch so eine komische, im Schnee vergrabene Hose; wieder Begeisterung bei meinem "Chef" - war ja gar nicht so schwer! Und noch einmal kommt das gut bekannte "Suuuuuuch!" Boah, der Schnee ist aber ganz schön tief und die Haufen ganz schön hoch... aber, war da nicht was... da vorne, ein gaaaaanz großer Haufen... da riecht's irgendwie nach "Mensch"... das schaue ich mir einfach näher an.... nix wie rauf auf den Haufen und ihn einfach genauer einmal beschnuppern... ja, wirklich, hier "riechts" definitiv nach Mensch... aber wie komm' ich nur zu ihm rein... ich fang einfach an zu graben bis mein "Chef" nachkommt... so lange kann ich einfach nicht warten... ja, tatsächlich, jetzt gibt der Schnee nach und da ist doch tatsächlich jemand drinnen... Armiiiiiiin ich hab' ihn!!!

Tja und so wurde gestern, am 13.1.2016, aus dem Eleven Ben der Einsatzhund Ben und nur solche kommen bei einem Lawinenunglück zum Einsatz!

Die Lawinenhundestaffel des Steirischen Bergrettungsdienstes hielt vom 10.  bis einschließlich 15. Jänner 2016  ihren alljährlichen Winter-Kurs auf der Tauplitzalm ab. Hier haben die Hundeführer mit ihren vierbeinigen Begleitern ideale Bedingungen, was Infrastruktur und Ausbildung anbelangt. Im gastlichen Haus von "Kirchenwirt" Franz Reischl, der selber Lawinenhundeführer ist, finden sie gastfreundliche Aufnahme und dieser besitzt auch das nötige Equipment, (Pistengerät) um ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung für die Lawinenhunde zu schaffen. Heuer waren 32 HundeführerInnen am Kurs und wieder haben einige "Junghunde" mit der Ausbildung zum Lawinenhund begonnen. Da die Ausbildung bis zum fertigen Einsatzhund  zwischen 2 und 3 Jahren dauert, kann man nicht früh genug mit dieser Ausbildung beginnen.

Der Tagesablauf gestaltet sich jeden Tag  gleich. In der Zeit von 6.30 Uhr bis 7.30 findet für die Hundeführer das Frühstück statt. Vorher schon sind die Hundeführer mit ihren Gefährten draußen unterwegs. Anschließend Vorträge über Einsatztaktik, Einsatzplanung, Hundearbeit, GPS, medizinische Erstversorgung, und, und, und… Gerne kommen auch die verschiedenen Referenten des Steirischen Bergrettungsdienstes zu Besuch, erstens um sich von der Arbeit der Lawinenhundeführer zu überzeugen und auch, um mit Fachvorträgen, den Hundeführern neues Wissen zu vermitteln. So wird die Kommunikation und Zusammenarbeit im Einsatzfall verbessert.  

In der Zeit von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr sind verschiedene Gruppen, je nach Ausbildungsstand der Hunde, im Gelände unterwegs – egal bei welchen Wind und Witterungsverhältnissen. Der Hund muss auch bei schlechten Wind- und Witterungsbedingungen seiner „Arbeit“  nachgehen, denn die meisten Unfälle passieren bekanntlich nicht bei Schönwetter, sondern bei Sturm, Nebel und sehr oft in der Nacht. Nach der Rückkehr aus dem Gelände erfolgt eine genaue Analyse des abgelaufenen Tages und es werden Verbesserungspotentiale besprochen. Nach dem Abendessen runden weitere Fachvorträge den Tag ab.

Heuer nutzten erstmals der Kameraden Jessner und Schober der Polizeihundestaffel Steiermark, die Möglichkeit mit ihren Hunden, die ebenfalls die Lawinenhundeausbildung besitzen, zwei Tage intensiv auf der Tauplitzalm zu üben und zu trainieren. Auch hier geht es neben der Lawinenhundearbeit darum sich näher kennenlernen und die Kommunikation untereinander zu verbessern.

Interessant zu beobachten ist die Ausbildung der jungen Hunde. Es wird ihnen in ganz einfacher, spielerischer Art und Weise vermittelt, was von ihnen erwartet wird. Alles geschieht im Zusammenspiel zwischen Ausbildungsleiter (Gerhard Herzmaier) und dem jeweiligen Hundeführer. Man spürt erstens die tiefe Verbundenheit der Hundeführer zu ihren Hunden und auch mit welcher Freude die Hunde ihrer „Arbeit“ nachgehen. Schon sehr früh zeigt sich, ob ein Hund für die Ausbildung zum Lawinenhund geeignet ist.

Immer wieder gern gesehene Gäste, sind Vertreter der Presse, öffentlicher Einrichtungen und der Medien, die sich so vor Ort von der Qualität der Ausbildung ein eigenes Bild machen. Auch heuer nützte der ORF-Steiermark die Gelegenheit wieder einen Beitrag zu drehen.

Wenn man auch heuer wieder gesehen hat, mit welchem Eifer und Einsatz die Hunde und ihre Führer bei der Arbeit sind, kann man im Einsatzfall sicher sein, dass nur bestens ausgebildete und motivierte Einsatzteams bereit stehen.

Text & Foto: Erich Bretterbauer

Buntes Bilderkaleidoskop vom Winterkurs 2016