CANYONINGRETTUNGSKOORDINIERUNG IM FRIAUL - 27.6.-29.6.2014

Heuer traf sich die Canyoningrettungsgruppe der steirischen Bergrettung zur Koordinierung in Oberitalien, Friaul. Die Gegend um das Kanaltal bietet eine Vielzahl an anspruchsvollen Schluchten - ideal um die bereits erlernten, zum Teil sehr komplexe, Seilsysteme anwenden zu können.

Die Anreise erfolgte mittels 2 privaten Kleinbussen samt Anhänger am Freitagnachmittag ins Hotel Carnia im gleichnamigen Ort.

Am darauffolgenden Samstag schleppten wir die schwere Canyoningausrüstung hoch zum Einstieg des „Rio Nero“ (Crny Potok). Der Ursprung dieser an diesem Tag sehr wasserreichen Schlucht (Schneeschmelze) liegt im italienisch/slowenischem Grenzgebiet.

Schon an der ersten Abseilstelle war klar, dass uns diese Schlucht außerordentlich fordern wird. Einer unserer Canyoningretter seilte sich in den von Wildwasser aufgewirbelten  Tümpel mit starkem Wasserrücklauf ab. Weiters musste er sodann unter großer Anstrengung zur  gegenüberliegenden Schluchtwand schwimmen. Um die restliche Gruppe gefahrlos über diese gefährliche Stelle zu bringen, bauten wir ein Seilbahnsystem auf. Die folgenden Abseilpassagen in der zum Teil sehr engen Schlucht, verlangten unsere größte Aufmerksamkeit. Unter schwierigsten Bedingungen mussten starke Strömungen durchschwommen und glattgeschliffene Schluchtwände erklettert werden. Seilbahn um Seilbahn wurde aufgebaut. Um das Risiko für unsere Gruppe zu minimieren, mussten wir mehrmals die mitgeführte Bohrmaschine benutzen und einige Bohrhaken setzen. Nur so konnten wir schwierige und gefährliche Quergänge zu exponierten Standplätzen mit Fixseilen versichern. Das Wetter verschlechterte sich und es war Eile geboten, da wir im Rio Nero keinen zusätzlichen Wasseranstieg gebrauchen konnten. Am Ausstieg angelangt, entwich die konzentrierte Anspannung unseren Gesichtern und beim wohlverdienten Bier wurde schon wieder viel gescherzt.

Tags darauf stand der „Rio Alba“ am Programm. Diese sehr lange Tour wies, durch einen Staudamm bedingt, einen normalen Wasserstand auf. Beeindruckt von der Schönheit des Canyons wanderten und kletterten wir durch die kilometerlange Schlucht. Einige Gumpen boten uns Sprünge bis zu 10 Metern Höhe. Zwischendurch erforderten mehrere Abseilpassagen unsere Aufmerksamkeit. Müde erreichten wir am Nachmittag den Ausstieg.

Die Heimreise erfolgte unmittelbar im Anschluss an die Tour und spätabends kamen wir in die verregnete Obersteiermark zurück.

Text: Michael Kohlhofer-Feichter
Fotos: Canyoningrettungsgruppe Steiermark