Spezialeinsatzgruppe der steirischen Bergrettung übt in der Schweiz

„Wer rastet der rostet“ -  ist wohl ein Sprichwort, das jedem von euch geläufig sein wird. Dieses Sprichwort habe ich mir zum Leitspruch für meine Tätigkeit als Leiter der Canyoning Rettungsgruppe gemacht. Mittlerweile gibt es die Gruppe seit 7 Jahren. Da ich von der ersten Stunde an dabei bin, ist es schön zu beobachten, wie wir uns kontinuierlich weiterentwickelt haben. Die jährlich verpflichtende Koordinierung ist hier sicher der Schlüssel zum Erfolg. Wir würden uns jedoch am Stand bewegen, wenn ständig die gleichen Schluchten begangen werden. Es würde sich eine Betriebsblindheit einschleichen, die einem wiederum für die eine oder andere Gefahr, wie das Wort schon sagt, blind macht. Ich vergleiche das gerne mit einer Schitour. Wer ständig die gleiche Tour geht, verliert das Gespür für die Gefahr. Um hier entgegen zu wirken, fanden schon in den vergangenen Jahren in den verschiedensten Bundesländern Koordinierungen statt. Dieses Jahr wiederum zum zweiten Mal im Ausland und zwar im Tessin.

Die geographische Lage ist ein Garant für schönes und trockenes Wetter, was für die Ausbildung zwingend erforderlich ist. Hier findet man nicht nur landschaftlich wunderschöne, sondern vor allem sehr anspruchvolle Schluchten vor. Die Fahrt nach Cresciano erfolgte mit drei Kleinbussen in 7 Stunden Fahrtzeit über München, Lichtenstein und dem St. Bernardino Pass in den italienischen Teil der Schweiz. Einquartiert waren wir in einer kleinen, für diese Gegend sehr günstigen, neu sanierten Jugendherberge, die in der Zeit von 23.06 – 26.06.2011 den 20 Kursteilnehmern alleine zur Verfügung stand. Von hier aus wurden auch sämtliche Touren unternommen. Unzählige Touren sind hier quasi unmittelbar vor der Haustüre. Noch am Anreisetag koordinierte sich das Ausbildungsteam, bevor am Vormittag des zweiten Tages in gewohnter Weise ein Trockentraining im Stationsbetrieb durchgeführt wurde. Bei dieser Form der Ausbildung können in einem sicheren Umfeld zum einen die Neuheiten vermittelt und zum anderen ein Gleichstand bei den angewendeten Techniken erzielt werden. Auf Tour ist es für den Ausbilder oft nicht mehr möglich, in einem Arbeitsablauf einzugreifen. An Nachmittag wurde schlussendlich die erste Ausbildungstour in einer Schlucht unternommen.  Der zweite Tourentag war mit Sicherheit der anspruchvollste dieser Fortbildung. Stand doch eine 8 - 10 Stunden Tour auf dem Programm. Um diese Tour überhaupt an einem Tag zu bewältigen, mussten wir mit einem Hubschrauber zum Einstieg der Schlucht fliegen. Mehr als 35 Abseilstellen galt es danach in Angriff zu nehmen. Gearbeitet wurde jeden Tag in 4 Kleingruppen. So kam nicht nur bei dieser, sondern bei jeder anderen Tour auch, jeder Teilnehmer oft zum Arbeiten, was sich am Ende markant auf das Können jedes einzelnen auswirkte. Am dritten und letzten Tourentag wurde noch eine kurze, aber dafür sehr wasserreiche Tour, wie wir sie in unseren Gefilden unter normalen Umständen wohl kaum vorfinden würden, durchgeführt. Sehr wohl aber im Einsatz. Ein Einsatz dauert in der Regel sehr lange und das bei Verhältnissen, die nicht der Norm entsprechen. Genau solche Bedingungen haben wir an diesem Wochenende vorgefunden. Und genau das sind jene Umstände, die uns wiederum einen weiteren Schritt nach vor gebracht haben, um eben ein Einrosten zu verhindern.

So möchte ich mich an dieser Stelle bei der Landesleitung für ihre Unterstützung bedanken. Es wäre jedoch wirtschaftlich nicht möglich gewesen, wenn die Kurskosten zur Gänze das Land übernommen hätte. Wie schon bei der letzten Koordinierung im Ausland, hat auch dieses Mal wieder jeder Teilnehmer einen Teil der Kurskosten selbst getragen. Der Hubschrauberflug wurde natürlich zur Gänze aus eigener Tasche berappt. Dafür möchte ich mich auch bei meiner Gruppe bedanken. Denn es ist in der heutigen Zeit sicher nicht selbstverständlich, dass die Kosten für etwas Verpflichtendes zum Teil selbst bezahlt werden. Danke auch an meine Ausbildner für ihre umsichtige Arbeit. Es bedarf hier schon sehr viel Idealismus und Können, um die Verantwortung bei anspruchsvolle Ausbildungstouren zu übernehmen, die einem selbst nicht bekannt sind.