Mitten in der Nacht - Spektakuläre Bergung aus der Erbschlucht

(Steirische und NÖ-Canyoningretter üben, unterstützt durch Bergrettung und Feuerwehr, die Bergung zweier Verunfallter aus der Erbschlucht)

Canyoning ist nach wie vor eine boomende Sportart. Immer mehr Hobbysportler üben diese faszinierende Freizeitbeschäftigung aus. Damit verbunden ereignen sich oftmals,  durch mangelnde Ausbildung, Unfälle in unseren heimischen Schluchten. Durch die Flugrettung kann hier in der Regel rasch Hilfe geleistet werden. Es wurden schon Bergungen aus der Schlucht mit einem 100m Tau und mehr durchgeführt. Aber auch ihr sind Grenzen gesetzt, wo diese erreicht werden, kommt die Canyoning Rettungsgruppe der Österreichischen Bergrettung zum Einsatz. Wie die Erfahrung zeigt, kann sich ein Einsatz bis in die Dunkelheit hineinziehen. Damit in so einer Situation auch sicher und rasch gearbeitet werden kann, ist eine laufende Aus- und Fortbildung auch bei Dunkelheit unbedingt notwendig. Deshalb wurde am 27. September 2008, unter der Leitung der Steirischen Canyoning Rettungsgruppe, in Zusammenarbeit mit dem Canyoning Kompetenzteam der Polizei, der Freiwilligen Feuerwehr Oberreith, der Bergrettung Landl und der Canyoning Rettungsgruppe Niederösterreich, eine Nachtübung in einer Schlucht am Erbsattel durchgeführt. Insgesamt waren 48 Einsatzkräfte an dieser erfolgreichen Nachtübung beteiligt.

Übungsannahme: Ein junges Wiener Pärchen, auf Urlaub in Großreifling, beide begeisterte Canyonauten, entschließen sich, die Schlucht am Erbsattel zu begehen. Über ihr Vorhaben sind die zu Hause gebliebenen Eltern informiert. Da sich die beiden bis zur, vereinbarten Zeit nicht zurückmelden, alarmiert der besorgte Vater die Einsatzkräfte. Die LWZ (Landeswarnzentrale) alarmiert daraufhin die Mitglieder der Bergrettung Landl, der Canyoning-Rettungsgruppe der Steiermark, sowie die Einsatzgruppe aus Niederösterreich. Gleichzeitig wird die Feuerwehr alarmiert, die den Mannschaftstransport, sowie die Ausleuchtung eines Teiles der Schlucht übernehmen soll.

Ab 19.00 Uhr läuft eine konzertierte Aktion aller Einsatzkräfte, geleitet von Martin Pircher (Referent der Steirischen Canyoningrettungsgruppe) an. Canyoningretter beginnen mit dem Aufstieg in die Schlucht und stoßen nach kurzer Zeit auf die junge Frau, die mit offenem Unterschenkelbruch, kurz nach dem Schluchteingang liegt. Ihr Begleiter hat sie nach provisorischer medizinischer Erstversorgung zurückgelassen, um Hilfe zu holen. Während nun die Ärzte der Canyoninggruppe (Dr. Wilhelm Ahlsson und Dr. Martin Hasibeter) die Verletzte transportfähig machen, seilen sich Mitglieder der Bergrettung in die Schlucht. Mittels einer Kurztrage und auf einer Vakuummatraze liegend wird die Verunfallte nach oben aufgeseilt.

Inzwischen ordnet der Einsatzleiter Martin Pircher an, dass die Feuerwehr den Schluchtausgang ausleuchtet, um dem zweiten Vermissten den Weg zum Ausgang zu erleichtern, denn es ist inzwischen stockfinstere Nacht geworden. Die Canyoningretter durchsuchen die gesamte Schlucht. Kurz vor dem Ausgang stoßen sie auf den Abgängigen. Vor einem 30m hohen Abbruch ist er ausgerutscht und hat sich schwere Rückenverletzungen zugezogen. Ein Felsblock hat seinen Absturz glücklicherweise verhindert. Die Rettungsgruppe baut nun eine Seilbahn auf, um den Mann über die Steilstufe zum Schluchtausgang  bergen zu können.

Kurz vor 21.00 Uhr ist die Übung beendet und die letzten Einsatzkräfte haben die Schlucht verlassen.

Einsatzbesprechung mit den Kameraden aus NÖ (EL Martin Pircher rechts) Dr. Wilhelm Ahlsson (l.) und Dr. Martin Hasibeter (r.) besprechen die medizinische Versorgung
Abklärung letzter Details des Einsatzes Abklärung letzter Details des Einsatzes
Gute Kommunikation auch mit der Kompetenzgruppe Canyoning der Polizei, Walter Stocker, 2. von links Mannschaftstransport mit der Feuerwehr Oberreith
Bergung der Verunfallten durch die Bergrettung Landl aus der Schlucht Bergung der Verunfallten durch die Bergrettung Landl aus der Schlucht
Bergung der Verunfallten durch die Bergrettung Landl aus der Schlucht
Perfekte Ausleuchtung der Schlucht durch die Feuerwehr Oberreith Einsatzleiter Martin Pircher, 2. v. rechts, jede Situation fest im Griff
Die ersten Retter kommen über die 30m hohe Steilstufe um die Seilbahn für den Verletztentransport aufzubauen
Lindner Manfred kommt über die Steilstufe Dr. Wilhelm Ahlsson, immer an vorderster Front im Einsatz
Der Verunfallte kommt mittels Seilbahn zum Schluchtausgang ...kurz danach Dr. Martin Hasibeter
Perfektes Zusammenspiel aller Beteiligen Einsatzorganisationen Perfektes Zusammenspiel aller Beteiligen Einsatzorganisationen
Die letzten Retter verlassen die Schlucht
Erschwerte Bedingungen durch die Nacht Abseilen durch den Wasserfall und 30 m Fahrt in die Tiefe
Die letzten beiden Retter bauen alles wieder ab Eine junge Dame ist bei der NÖ-Canyoningrettungsgruppe im Einsatz