Einsatzübung der Canyoning-Rettungsgruppe in der Weißenbachschlucht

(21 Canyoningretter üben gemeinsam mit 11 Mitgliedern der Bergrettungsortsstellen Landl und Radmer den Ernstfall in der Weissenbachschlucht/Radmer)


Mit einem Neoprenanzug, Helm, speziellem Klettergurt und einem Seil eine Schlu
cht von oben nach unten bezwingen - das ist Canyoning. In Österreich finden sich zwar noch nicht so viele Anhänger wie in Frankreich oder Spanien, wo diese Sportart entstanden ist, doch es werden immer mehr. 

Neben dem sportlichen Reiz des Abenteuers, steht vor allem das Naturerlebnis im Vordergrund. Bei dieser Sportart spielen Teamgeist und das gegenseitige Vertrauen eine wichtige Rolle. Bei vielen Schluchtingtouren steht in erster Linie das gemeinsame Naturerlebnis im Vordergrund.

Der Steirische Bergrettungsdienst registriert mittlerweile so starkes Interesse an diesem Sport, dass er vor drei Jahren begonnen hat, Bergretter zu Canyoning-Rettern auszubilden. Federführend für die Steiermark war dabei Martin Pircher, der gleichzeitig der verantwortliche Referent im Steirischen Bergrettungsdienst dafür ist.

Die 28 von der steirischen Bergrettung ausgebildeten und ehrenamtlich tätigen Canyo­ning-Rettern haben schon einige Einsätze - mit Erfolg - absolviert. In der Steiermark eigen sich zwölf Schluchten für diesen Sport. In ganz Österreich nimmt die Bergrettung diese Plätze derzeit genauer unter die Lupe, um für den Ernstfall Rettungs- bzw. Ein­satzkonzepte zu erstellen.  

Im Nationalpark Gesäuse machten sich die steirischen Canyoning-Retter in der Zeit vom 23. – 24. Juni, für die bevorstehende Saison fit. Der Bruckgraben, sowie die Weissenbachschlucht im Gesäuse sind bei Canyonauten beliebte, aber auch gefährliche Schluchten. 

Am 24. Juni fand nun eine gemeinsame Übung der Canyoninggruppe mit den Bergrettungsortsstellen Radmer und Landl statt, denn die Weissenbachschlucht, die diesmal als Übungsgebiet diente, liegt direkt im Einsatzgebiet der beiden Ortsstellen.  

Sinn dieser Übungen ist es, sich miteinander vertraut zu machen und gemeinsam Bergungen durchzuführen. Während die Canyoning-Retter die Bergung in der Schlucht durchführen, warten die Bergretter beim Schluchtausgang und übernehmen von dort den weiteren Abtransport des Verunfallten.  

Übungsannahme: 2 Canyonauten begehen die Weissenbachschlucht, wobei sich einer der beiden kurz nach dem Start ihrer Tour beim Abseilen durch einen Wasserfall schwer verletzt. Sein Kamerad versorgt ihn notdürftig und versucht so schnell wie möglich die Einsatzkräfte zu alarmieren. Nach der Alarmierung durch die LWZ treffen sich die Einsatzkräfte am Ausgang der Weissenbachschlucht. Von dort koordiniert die Einsatzleitung sämtliche Aktionen in und außerhalb der Schlucht. Nach einem schweißtreibenden Anstieg von einer Stunde erreichen die Canyoning-Retter den Beginn der Schlucht und finden bald darauf den geschockten Verunfallten. Die Canyoninggruppe teilt sich in 2 Gruppen. Während die erste Gruppe die Abseilstellen vorbereitet, Seilgeländer baut und alles für den reibungslosen, schnellstmöglichen und vor allem schonenden Transport des Verunfallten herrichtet, versorgt und transportiert die zweite Gruppe den Verunfallten. Mit welch körperlicher Anstrengung das verbunden ist kann nur jemand nachvollziehen, der so eine Übung erlebt, miterlebt und vor allem daran beteiligt war. Nach zweieinhalb Stunden ist der Verunfallte aus der Schlucht transportiert und wird anschließend von den am Schluchtausgang wartenden Bergrettungsleuten übernommen und fast noch 1km Schlucht auswärts transportiert. 

Welch hohes Ansehen die Gruppe um Martin Pircher hat, zeigt einmal mehr das Interesse von Rettern aus anderen Bundesländern. Diesmal nutzen der Referent aus Niederösterreich Ernst Kölch und der sich im Ausbildungsteam befindende Willi Lengauer die Gelegenheit, sich vom hohen Standard und Ausbildungsniveau der „Steirer“ zu überzeugen. Auch ist für die Zukunft angedacht grenzübergreifend sich bei Einsätzen gegenseitig zu unterstützen. 

Wie gefährlich, auch für professionelle Retter solche Übungen sind, zeigt ein bedauerlicher Unfall, beim dem sich am Samstag ein Canyoningretter am Bein schwer verletzte.